Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen. Erst recht, wenn man auf Diät ist.

Mercimek Köftesi nach Art der fränkischen Provinz

Mercimek Köftesi nach Art der fränkischen Provinz

Seid gegrüßt liebe Kalorienzähler und solche, die es (nicht) werden wollen,

ich liebe Essen. Und ich liebe Essen vor allem dann, wenn ich bekloppte Geschichten dazu erzählen kann. Die Geschichte, die ich euch heute erzähle, spielt im letzten Sommer, handelt von meiner ersten Konfrontation mit „Mercimek Köftesi“, türkischen Linsenlaibchen, der fränkischen Provinz und einem winzigen Grad an Verpeiltheit meinerseits. Aber lest selbst….


Dienstag Abend, 19:20 Uhr. Eine typische Szene im modernen Jäger- und Sammlerinnenhaushalt: Ein Blick zur Uhr, hastiges Wischen über das Smartphone folgt. Wenige Minuten schweigen, wischen tippen. Dann ein erstes Stutzen, Kopfkratzen, wiederum Wischen. Ein zweites Stutzen, erneut gehetzter Blick zur Uhr, schneller Check des Vorratsschranks. Das vorhandene Nahrungsangebot ist nur noch um wenige zu ergänzen, um ein schmack- und nahrhaftes Abendessen herzustellen. Herauskramen eines zerknüllten Schmierpapiers, krakelige Notizen, rekordverdächtiges Treffen der Handtasche mit allen lebensnotwendigen Gegenständen. Verlassen der Wohnung um 19:32 Uhr, natürlich dazwischen ein rasanter Umziehvorgang und das zweimalige Abschließen- und Öffnen der Haustür, zunächst wegen des Einkaufszettels, der es sich seelenruhig auf dem Schreibtisch gemütlich gemacht hatte, dann wegen der Pfandflaschen, die sich schon im Flur in Eiffelturmartigen Gebilden stapeln, kein Wunder bei der sengenden Hitze, die mir beim Öffnen der Haustür entgegenschlägt.

19:40 Uhr, Eintreffen auf dem Parkplatz des Provinzsupermarktes, auf dem gerade mit einem Hubwagen oder was man hier dafür hält, sämtliche Setzlinge, Erdbeerpflänzchen und Bambusstauden, die so ein Provinzsupermarkt eben führen muss, verladen werden. Selbstverständlich durch den einzigen Eingang und direkt vor die Gemüseabteilung. Nicht schlimm, hier ist ohnehin nichts mehr zu wollen außer einer traurigen Packung mit drei Salatherzen, die herzzereißend „Rette uns!“ schreien – auf dem Weg zum Pfandautomaten also schon die erste gute Tat. Während der Automat schon im Feierabendmodus zu sein scheint und herzergreifend um gerades Einschieben und den Verzicht auf Einwerfen bittet (Ha! der müsste mich mal sehen wenn ich werfe! Totlachen würde der sich!), wird kurzerhand der „Frühling“ vor den „Zwiebeln“ gestrichen, schließlich haben wir Sommer und das Rezept soll sich mal nicht so haben.

Vorbei an der Fleischereifachverkäuferin, deren Blick zu entnehmen ist, dass sie die letzten drei zur Zierde aufgespießten und in verschiedensten, sicherlich vom Erfinder nicht so angedachten Gewürzen gewendeten (Ja! Mein Ernst! Alles für die Optik!) Cevapcici gerne an mich losgeworden wäre. Es sind ja noch siebzehn Minuten bis Feierabend. Ein verwirrter Rentner muss noch schnell an der Kühltheke umschifft werden, endlich stehe ich in der einzigen Regalreihe, in der man sich mit einer ausgewachsenen Soziophobie wohlfühlen kann, denn dorthin, wo „exotisch“ drübersteht, verirren sich meist nur die Herren der Schöpfung, die am anderen Ende der drahtlosen Leitung eine quäkende bessere Hälfte haben, die sich in just diesem Moment schwört, ihm NIE WIEDER den Einkaufzettel per e-Mail ins Büro zu schicken, weil er ja auf dem Weg von der Arbeit ohnehin am Supermarkt vorbeikommt.

Himmlische Ruhe also fünfzehn Minuten vor Ladenschluss. Der Zettel sagt sowas wie „Biber Salcasi“, das Regal sagt eiskalt „Hamwanisch!“ Die Sauerkonserven eine Reihe weiter flüstern: „Häddsd hald drei Närnbercher mit Graut gessen! Des is a anständigs Essen, ned dei spinnerdes Glumb wosd hier nedamal die Zudadn griechsd!“ („Hättest du halt drei Nürnberger Bratwürste mit Kraut gegessen! Das ist ein anständiges Gericht, nicht deine abgehobenen Firlefanzereien für die du hier nichtmal die Zutaten bekommst!“) Nur nicht aufgeben! Die Challenge heißt ja schließlich nur „kurz vor Ladenschluss einkaufen“, nicht „ein Wildschwein erlegen, ausweiden und über dem ohne moderne Hilfsmittel angezündeten Feuer rösten“. In den Einkaufskorb wandert „Biber sosu“, der einzige Biber in diesem Supermarkt, außer vielleicht irgendwelchen fragwürdigen Markentieren in der Süßwarenabteilung, aber für die ist ohnehin keine Zeit mehr. Los also, zur Kasse. Vor mir drei kleine Zinn 40, ein großer Wodka, Zeit genug am gegenüberliegenden Gemüseregal das zuvor durch den Hubwagen versperrte einsame Petersilienstöckchen rastermäßig zu erfassen und in einem Hechtsprung an der Fahne vor mir vorbei, gerade im richtigen Moment, bevor er die Hand in Richtung des Tabakregals ausstrecken will, das Grünzeug zu erreichen und aufs Band zu retten, selbstverständlich kommentiert von einer hochgezogenen Augenbraue hinter mir, die zehn Minuten vor Ladenschluss festgestellt zu haben scheint, dass ihr die komplette Kosmetik ausgegangen ist. Ich lächle siegesgewiss und zücke mein Portemonnaie, während Herr DreiZinnVierzichEinWodka die Verrechnung von Pfandgeld und Einkauf genau überprüft.

Als ich drei Minuten vor acht siegesgewiss mit meiner Papiertüte voller schöner Dinge den Supermarkt verlasse, treffen mich statt der erwarteten 40°C Außentemperatur erbsengroße Hagelkörner. Jackpot, schließlich sind die selbstverständlich besonders bei Flipflopträgern in kurzen Hosen beliebt, wer weiß das nicht. Drei Dorfampelschaltungen später erreiche ich im Hagel mein Ziel und begutachte selbstverständlich noch die Größe der Körner darauf, welchen Schaden sie der Umwelt zufügen könnten, bis ich merke, dass die Papiertüte mittlerweile einen leichten Wasserschaden davon getragen hat. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich vor lauter Gedankenverlorenheit die Petersilie sicher die nächsten zwei Tage nicht werde gießen müssen.

20:15 Uhr. Erneutes Lesen des Rezepts. Ich stelle ernüchtert fest, dass der Kochzeit 30 Minuten Quellzeit folgen. Klingt logisch, hab ich vorhin aber irgendwie…überlesen. Als ich mir ein Brot schmiere, macht es schon gar nix mehr, dass auf dem Herd gerade Couscous und kein Bulgur quillt, eine kleine Fehleinschätzung des Vorrats meinerseits. Bei der zweiten Stulle schwöre ich mir, dass das – auch ohne Frühling vor der Zwiebel, Bulgur und dem richtigen Paprikabiber, dafür aber bis morgen perfekt durchgekühlt und mit jeder Menge gerettetem Salat – die besten Provinz-Mercimek Köfte werden, die dieses Kaff je gesehen hat. Jawoll!


Seit diesem Tag verbinde ich Sonnenschein mit Linsenlaibchen und ich liiiiiebe Mercimek Köftesi nach Art der Fränkischen Provinz, wie ich mein damals ausgetüfteltes Rezept noch heute zärtlich zu nennen pflege. In Anbetracht der Frühlingsstimmung vor meinem Bürofenster musste ich dieses Rezept heute unbedingt rauskramen! Noch ein bisschen an der Portionsgröße getüftelt und diesmal mit richtigem Paprikamark bewaffnet, gibt es hier die kalorienzähltaugliche Variante, die dank der roten Linsen ein super Eiweißlieferant ist.

 

Mercimek Köftesi nach Art der fränkischen Provinz

Du brauchst für 2 große Portionen:

  • 100g rote Linsen
  • 100g Couscous
  • 400-500ml Wasser
  • 1 gestr. TL Salz
  • 90g Paprikamark (Biber Salcasi, gibt’s im türkischen Supermarkt, geht aber auch mit etwas weniger Biber Sosu)
  • ca. 1/3 rote (Spitz-)Paprika (40g), fein gewürfelt
  • 1 Schalotte (20g), fein gewürfelt
  • 1 Handvoll glatte (!) Petersilie, fein gehackt
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 gestr. TL Kreuzkümmel
  • 1 gestr. TL scharfes Paprikapulver
  • Salz & Pfeffer zum Abschmecken
  • Zum Servieren:
  • 1-2 kleine Salatherzen
  • 1 Zitrone

Die Linsen mit 350ml kaltem Wasser in einen Topf geben, aufkochen lassen und etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis sie zerfallen, dabei gelegentlich umrühren. In der Hinterhand (am besten im Wasserkocher) mindestens noch 100ml heißes Wasser bereithalten, um eventuell nachgießen zu können. Den Topf von der Platte nehmen, diese ausschalten, den Couscous und den TL Salz dazu geben, alles gut vermischen und 30 Minuten quellen lassen.

Nach 10 und 20 Minuten kontrollieren, wie die Masse aussieht: Sie sollte auf keinen Fall mehr wässern, darf aber auch nicht trocken sein – ihr braucht später etwas, das von der Konsistenz her sehr „breiig“ ist, um die Köfte formen zu können. Falls die Masse also trocken zu werden beginnt, gießt noch in kleinen Schlucken Wasser nach und rührt dann gut um.

Zwischenzeitlich könnt ihr außerdem die Paprika und die Zwiebel sehr fein würfeln, die Petersilie fein hacken.

Die Linsen-Couscous-Mischung nach dem quellen in eine Schüssel geben, alle anderen Zutaten dazu geben und so lange kneten, bis ein homogener Teig mit Paprika- und Zwiebelstückchen entstanden ist. Wenn jetzt ein bisschen Zeit wäre, die Mischung im Kühlschrank durchziehen zu lassen, wäre das optimal, der „Teig“ sollte allerdings nochmal mindestens 10 Minuten stehen, um gut zu binden.

Zwischenzeitlich kannst du schon mal die Salatblätter abzupfen, waschen und trockenschleudern und zusammen mit den Zitronenspalten auf einen Teller geben.

Aus dem Teig werden schließlich kleine „Würste“ geformt, die in die Salatblätter gesetzt und mit dem Zitronensaft beträufelt genossen werden.

Du hast das Rezept nachgekocht, ein Foto davon gemacht und es auf Instagram gepostet oder du hast es vor? Ich würde mich extremst freuen, wenn du den Hashtag #kochenmitderdicken verwendest – dann finde ich dein Meisterwerk direkt! 🙂

Lasst es euch schmecken! 🙂

❤️💛💚 Alles Liebe 💚💛❤️

Kristina

Nährwerte

  • 479kcal pro Portion
  • 13g Fett
  • 68g Kohlenhydrate, davon 3g Zucker
  • 146g Eiweiß

Die hier aufgeführten Angaben sind als Hilfsmittel gedacht und ich übernehme für diese keine Garantie. 😉

// @juliaa_2112 //



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